Macht Geschichte. Macht Geschichte. Macht Geschichte!


Ich mag keine Kinder.
September 9, 2007, 8:27 pm
Filed under: Ich erzähl dir alles.

Die Leichtigkeit des Seins waren nicht nur Worte,
sondern gelebte Taten, ohne Gedanken
eine Straße, eine Wiese, tausende Orte
ich habe dieser Zeit alles zu verdanken

Ein Spaziergang, ein Besuch, um zusammen Spaß zu haben
du wohntest ja nur drei Straßen entfernt
oft mussten wir noch nicht mal etwas sagen
so haben wir das Leben kennengelernt

Wir bekamen fast immer, was wir wollten
wir mussten nur laut genug schreien
was wir uns später abgewöhnen sollten
und vielleicht bis heute bereuen

Mittlerweile weiß ich, was mich daran stört
jahrelang hab ich überlegt
und das hier wohl schon oft gehört
ich hoffe, ihr versteht

Ich mag keine Kinder!
Ich mag keine Kinder!
Ich mag keine Kinder,
weil ich selbst keins mehr bin!

Die Zeit danach hat mich meiner Naivität beraubt,
mich übermäßig nachdenklich gemacht,
und damit meine Motivation geklaut,
und zu viele qualvolle Momente mit sich gebracht.

Deshalb mag ich keine Kinder
man kann sich nicht mal mit ihnen unterhalten
die Qualität eher minder
eher was zum Hirn abschalten

Damals auch den Fänger gelesen
und zum Lieblingsbuch erklärt
ich wäre gerne er gewesen
doch dazu jetzt zu abgeklärt

Sie halten mir einen Spiegel vor’s Gesicht
ich bin unreif und sie sind Kinder
meine Gefühlslage eher gemischt
ich bin Sucher, nicht mehr Finder!

Ich mag keine Kinder!
Ich mag keine Kinder!
Ich mag keine Kinder,
weil ich selbst keins mehr bin!

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Menschlichkeit.
September 4, 2007, 5:22 pm
Filed under: Ich erzähl dir alles.

Schon immer wunderte ich mich über dieses überaus seltsamen Begriff. Menschlichkeit. Für die meisten bedeutet das etwas positives…
„Für mich nicht!“ sagte der Fremde mit dem zerzauselten Haar und der viel zu kleinen Brille, der sich an den Nebentisch setzte. Erst ein paar Momente später bemerkte ich, dass er nicht mich ansprach, sondern, dass er der Kellnerin zu verstehen gab, dass er keine Milch – im Gegensatz zu seiner Begleitung – in seinem Kaffee haben wollte. Wohl hatte er dabei aber bemerkt, wie ich ihn dabei anstarrte. „Kann ich irgendwas für Sie tun?“ fragte er in einem sehr höflichen Ton und ich sah aus den Augenwinkeln, wie mich seine Tischpartnerin argwöhnisch betrachtete. „Äh nein. Wieso?“ fragte ich überrascht und schaute nervös auf die Straße. „Nur so. Sie sehen so aus, als ob sie Hilfe bräuchten.“
Na danke. Was soll man darauf denn bitte antworten? Wie sieht man denn aus, wenn man Hilfe braucht? Ich hätte da ja eher an blutüberströmt in einer Ecke liegend oder an etwas dergleichen gedacht. Aber ich saß einfach da, in dieser Kneipe, wartete auf jemanden und dachte über dieses dämliche Wort nach.
„Nee bei mir ist alles ok. Danke der Nachfrage.“ meinte ich, immer noch etwas irritiert.
Gleich nachdem ich das gesagt hatte und der Mann auch noch irgendwas erwiderte, schweifte ich gedanklich wieder ab. Dieses verdammte Wort! Menschlichkeit. Warum zur Hölle, wird das als so unglaublich positiv erachtet? Es ist ein Widerspruch in sich. Wieso merkt das denn keiner?? Ich kann ja auch nicht sagen: „Du warst tierisch gut, aber hast menschlich versagt!“. Das wäre ja die absolute Unterwerfung! „Menschlich versagen“. Das tun wir doch ständig, also sollte man es doch von Anfang an, als etwas Negatives betrachten. Hitler war dann wohl der menschlichste Mensch von allen Menschen. Denn „menschlich“ kann eigentlich wirklich nur absolut bedingt etwas gutes bedeuten. Mir fällt in diesem Moment noch nicht mal ein Beispiel ein.
Während sich Gedanke an Gedanke reihte, merkte ich, dass mich etwas an der Schulter streifte. Ich tippte auf ein Versehen. Doch dann wurde es zu einer Art Klopfen, und ich war gezwungen mich umzudrehen. Da saß immer noch der Mann, aber mittlerweile ohne seine Begleitung. Vielleicht war sie aber auch nur auf Toilette gegangen. „Du bist so jung und machst dir schon so viele Gedanken!“ sagte er auf eine fast didaktische Art und Weise. „Das ist doch nichts negatives. „Menschlichkeit“ ist was negatives!“ antwortete ich grinsend. Er überlegte kurz.
Als er gerade antworten wollte, kam endlich meine Verabredung: „Eva, du bist ja schon beim zweiten Bier!“. „Was für ein aufmerksamer Beobachter du doch bist. Ich warte ja auch schon fast eine Stunde auf dich!“ erwiderte ich etwas angepisst, obwohl ich eigentlich gar nicht böse war. Ich guckte zur Seite und sah, wie der Mann mich erwartungsvoll anschaute, um mir seine Antwort aufs Auge zu drücken. Ich schaute wieder weg, ging zur Bar, bezahlte und sagte „Komm, wir gehen woanders hin!“. Im Vorbeilaufen sagte ich zu ihm: „Menschlichkeit ist vollkommen überbewertet.“, sodass der Mann mit den zerzauselten Haaren seinen Mund endlich schloss und mir versöhnlich zunickte.
„Wer war das denn?“ fragte mich meine Begleitung nach ein paar Metern. „Hitler.“ antwortete ich trocken.